
Die diesjährige Rede:
Hallo zusammen, ich freue mich heute Abend sehr, euch alle hier im Kreis zu sehen und euch
willkommen heißen zu können. Obwohl wir alle durch unsere individuellen Erfahrungen und
Wege immer weiter in unserer eigenen Welt vorschreiten, stehen wir doch alle heute Abend
hier und können diesen Abend zusammen genießen. Ich habe noch nie von jemandem gehört,
welcher nicht gerne an diese Zeit zurück denkt. Und auch wenn man im Nachhinein dazu neigt,
die vielen Momente aus seiner Erinnerung zu streichen, in welchen man sich am liebsten nur
zuhause in sein Bett gekuschelt hätte, anstatt am nächsten Morgen aufzustehen und die
nächsten 20 km mit dem schwerem Wanderrucksack auf dem Rücken zu laufen, oder in denen
man, selbst dick eingepackt im Schlafsack und mit zwei Schichten Klamotten, noch so
unfassbar im kalten September auf dem GAT gefroren hat, das man am liebsten am nächsten
Morgen verfrüht abgereist wäre. Da ist etwas. Da ist ein Grund, warum sich alle so gerne an
diese Zeit zurück erinnern. Etwas Magisches.
Ich erinnere mich bis heute noch gerne zurück an die Nacht auf Großfahrt. Wir waren auf
unserer Abschlussfahrt auf Korsika und es war aufgrund der Pandemie unsere erste wirklich
große Fahrt, weit weg von zuhause und mit Rucksäcken beladen welche in etwa ein Drittel von
uns wogen. Wir lagen hoch oben auf einem Felsen, 5 Meter neben uns ging es 40-50m steil
den Berg hinab, zu einem Fluss welcher sich durch die korsische Wildnis schlängelt. Wir lagen
auf unseren unbequemen Isomatten und schauten hoch in die Sterne. Es war der mit Abstand
schönste Sternenhimmel, den wir bisher gesehen hatten. Weg von all der Lichtverschmutzung,
mitten im Urwald. Und wenn ich mich daran zurück erinnere, bringt es die Abenteuerlust, das
Gefühl, man müsste diese Fahrt noch einmal wiederholen und die Hoffnung dass man so
etwas noch einmal miterleben kann. Man realisiert es in den Momenten noch nicht. Aber das
was man da erlebt ist etwas Magisches.
Wenn man Antares von außen betrachtet, könnte man den Eindruck gewinnen, wir wären noch
etwas in der Zeit zurück. Alleine heute, die Feier einer Sonnenwende, fällt für viele nicht
gerade unter die Kategorie “Modern”. Und wenn man uns von außen zuschaut, könnte man
zudem den Eindruck gewinnen, wir wären ein Haufen komischer Zeitgenossen, welche sich im
Sommer einen Spaß daraus machen, über ein halb abgebranntes Feuer zu springen und bis
tief in die Nacht alte Lieder zu singen. Steht man jedoch innerhalb des Kreises, hier und nicht
nur 100 m neben dran auf den Weg hier oben. Wenn man das ganze miterlebt, dann entsteht
ein ganz anderes Bild. Man springt im Sommer nicht nur aus Jux und Laune über ein Feuer,
sondern man sucht sich die Menschen, mit welchen man eine Verbindung hat, welche einen
seit Jahren begleiten. Menschen zu denen man aufschaut oder mit denen man schon
unzählige schöne und prägende Momente geteilt hat. Man springt mit ihnen übers Feuer
als Symbol für die gegenseitige Verbundenheit. Man taucht im Fall der Sonnenwenden für
einen Abend in eine andere Welt. In eine Welt abseits des alltäglichen Lebens und den
Pflichten, welchen man sich bald wieder stellen muss. Und man erlebt eine Welt, welche
geprägt von Traditionen ist. Wie beispielsweise das Übernachten in Kohte und Jurte oder das
Kochen über dem Feuer. Man erlebt eine Welt, wie man sie aus dem Alltag nicht kennt, in
welcher das Ziel nicht immer ist, sich weiter zu verbessern, sondern eine Welt, in der man sich
entspannen und abschalten kann. Man taucht für einen Abend ein in eine magische Welt
voller flackernder Feuer und schallenden Liedern, welche einem das Gefühl der Freiheit
vermittelt. Man ist frei von den Sorgen und den Normen des Alltags. Man ist glückstrunken.
Diese Momente auf Großfahrt, Lagern oder Sonnenwende sind etwas besonderes. Sie prägen
das Pfadfinder-Leben und sie sind eine Besonderheit der Pfadfinder. Diese Momente erleben
zu dürfen ist ein Privileg, das wir haben und wir dürfen uns glücklich schätzen für jeden
magischen Moment, den wir erlebt haben und den wir noch erleben dürfen. Deswegen ist es
vor allem für alle unter uns, welche den Großteil ihres Pfadfinder-Lebens noch vor sich haben,
wichtig, diese Momente zu realisieren und sie in vollen Zügen auszuschöpfen. Natürlich kann
man diese Momente nicht provozieren und sie zwangsweise herbeiführen. Das funktioniert
nicht. Und man wird auch in den Momenten selber nicht immer realisieren, dass man sich
gerade in einem solchem Moment befindet. Man wird viele von ihnen auch vergessen. Jedoch
werden auch viele bleiben. Besonders diejenigen, welche wir mit Mitmenschen verbracht
haben welche uns etwas bedeuten und mit denen wir eine Verbundenheit haben. Es werden
diejenigen bleiben welche für einen selbst besonders sind.
Diese Momente erleben zu dürfen ist wie bereits gesagt ein Privileg, welches vor allem wir als
Pfadfinder und als Antares haben und welches wir ausschöpfen sollten. Wir sollten uns
bewusst an diese Momente erinnern und auch in Zukunft mit einem Bewusstsein für diese
Momente unser Pfadfinder-Leben genießen. Ansonsten verpasst man noch einen von diesen
prägenden und magischen Momenten.
Gut Fahrt


